Sonntag, 19. Juni 2011

Klischees

Wenn man längere Zeit mit Nicht-Deutschen zusammen ist, lernt man wohl am meisten über Deutsche. Als mein Chef sich zum Beispiel neulich über das Verliebtsein einer Kollegin lustig machte, bezog er mich in das Gespräch mit ein, in dem er sagte: "You are German. You don't know how to be in love anyway." Die große Liebe der Deutschen sei nämlich die Arbeit – gut für alle Beteiligten. Denn wir sind extrem effizient und organisiert. (Aha ... ich auch???) Was wir scheinbar nicht sind, ist besonders gut gelaunt. Mein neuer (australischer) Kollege demonstrierte mir gestern einige „Typical German Sounds“, darunter Aaaaaarggggh, Uuuuuuuuuuhhhhhhmpf und Mist!. Ganz Unrecht hat er nicht. Überrascht war ich hingegen, als er mir sagte, er möge die Deutschen dafür, dass sie einen immer ihren aktuellen Gemütszustand auf dem Laufenden halten. Wir tun was? Tun wir gar nicht, Du bist doch doof! Genau, um den heißen Brei herumreden ist auch nichts typisch Deutsches. Wir sagen, was wir meinen und zwar ohne große Umwege. Na dann mal los: Kiwis sind chaotische Sicherheitsfanatiker und wollen bei allem, was sie tun, an die Hand genommen, bis ins kleinste Detail beraten und genauestens instruiert werden. So! 

Mittwoch, 15. Juni 2011

Geschenk.

Hm, wie stelle ich denn hier mal einen Bezug zu Neuseeland her? Vermutlich gar nicht. Aufschreiben muss ich es dennoch. Mein Chef hat mir etwas geschenkt. Mit ganz großen Augen hat er mich angesehen und voller Stolz gesagt: "Melissa, I have bought you something. You are going to be so happy." Die Erwartungshaltung hätte kaum größer sein – und kaum herber enttäuscht werden – können: Das Geschenk bestand aus drei blauen Plastikkisten, in denen ich endlich den ganzen Kaffeemachkram sortieren kann. Wie lange habe ich darauf gewartet. Ich bin immer noch ... gerührt.  

Montag, 13. Juni 2011

Fahrradfahren

Okay, die erste echte Fahrt habe ich hinter mir – uha. Nicht nur, dass es hier überall extrem anstrengende Hügel gibt; Auckland hält es scheinbar nicht für nötig, so etwas wie Radwege zu haben. Wozu auch? Außer mir fährt ja scheinbar niemand mit dem Rad. Stattdessen setzt sich jeder für noch so kurze Strecken ins Auto und brüllt völlig verausgabte kleine Missys an, sie sollen doch gefälligst runter vom Fußweg, das sei against the law. Bitteschön, dankesehr, leck mich. Ich bin doch nicht lebensmüde und fahre mitten auf der dreispurigen Straße. Aber: So ist das hier wohl eigentlich gedacht. Hin und wieder sieht man dann nämlich doch das ein oder andere Fahrradsymbol auf dem Asphalt. Zwischen der Bus Lane, (die hier untereinander "Lane Bus" geschrieben wird, weil man ja schließlich erst das liest, was unten steht ...), und Hauptverkehrsweg für tausende motorisierte Aucklander, die noch nie ein Fahrrad von Nahem gesehen haben. Aber was will man machen? Na ja ... jedenfalls nicht mehr auf zwei Rädern in die Stadt pedalen. Morgen versuche ich es mal zur Arbeit. Fingers crossed bitte. 

Sonntag, 12. Juni 2011

Ab aufs Rad!

Wäre ich weniger eitel, gäbe es an dieser Stelle ein Bild von mir mit meinem neuen Fahrradhelm. Ich habe mir nämlich heute ein Rad gekauft – und wer in Neuseeland ein Fahrrad hat, der braucht auch einen Helm. Das ist gesetzlich geregelt und ausnahmsweise auch mal sinnvoll. Denn als Radfahrer ist man hier eine Art exotische Tierart: selten und extrem gefährdet. Darum ist es auch nicht ganz einfach, einfach ein Fahrrad zu kaufen. Man bekommt Mountain Bikes und teure Rennräder en masse, kann sich entscheiden zwischen 21 und 28 Gängen – ein Fahrrad, das nichts tut, als einen von A nach B zu bringen aber ... das ist etwas ganz Besonderes. Und ich habe jetzt so was! Mal sehen, wie lange ich es durchhalte, wirklich damit zur Arbeit zu fahren ... ist ja so schlimm hügelig hier. Solltet ihr also länger nichts von mir lesen, bin ich entweder mit Rechts- und Linksverkehr durcheinander geraten oder liege im Sauerstoffzelt. 

Freitag, 10. Juni 2011

Puuuh!

Ich bin beruhigt – man hatte mir ja immer wieder und von vielen Seiten erzählt, dass es schwierig sei, mit Kiwis (also mit Kiwi-Menschen) in Kontakt zu kommen, wenn man davon ausgeht, dass "in Kontakt kommen" mehr bedeutet, als das übliche "How r u good and u"-Spiel zu spielen. Aber: Mit Bier geht alles besser. Endlich mal etwas, was am anderen Ende der Welt genau so zuverlässig klappt, wie ich es gewohnt bin. Jetzt weiß ich über meinen Butcher-Kollegen nicht nur, dass er Butcher ist, sondern auch, dass er sein lustiges Tattoo bereut, dass er seine Ausbildung drei Monate vor Ende geschmissen hat, weil sein Chef scheiße war und dass es in Neuseeland Leute gibt, die sich vor dem Spiegel den Namen ihres Stadtteils auf die Stirn tätowieren und dann feststellen, dass sie sich den Namen ihres Stadtteils – surprise, surprise – spiegelverkehrt auf die Stirn tätowiert haben. 
Und mein Butcher-Kollege weiß endlich, dass ich manchmal echt Probleme habe, seinen komischen Kiwi-Slang zu verstehen. Danke, Peroni.

Mittwoch, 8. Juni 2011

I think ...

... it is ziemlich lustig, dass meine italienische Kollegin "I think" ausspricht wie "I finde".