In Neuseeland (bzw. Auckland – den Rest des Landes kenne ich ja eigentlich noch gar nicht) ist vieles aufregender als in Deutschland. Busfahren zum Beispiel. Besonders spannend in diesem Zusammenhang: Kommt der Bus heute? Und fährt er wirklich da ab, wo das Internet behauptet, eine Haltestelle gefunden zu haben? Können beide Fragen mit Ja beantwortet werden, hat man großes Glück. Dann nämlich kommt man nicht nur irgendwann am Ziel an, sondern hat oft auch eine Busfahrt mit Blick auf den Hauraki Golf vor sich. Das sieht dann ungefähr so aus:
Aber selbst solche stunning views werden irgendwann zur Gewohnheit und man kann ja auch nicht immer nur aus dem Busfenster gucken. Darum habe ich jetzt ein neues Spielzeug: Ich bin Stromkunde. Und zwar bei Powershop. Warum? Natürlich nicht, weil ich Preise verglichen habe, sondern weil die Kampagne geil ist:
Aber nicht nur in Sachen Kommunikation können sich Vattenfall und Co. eine dicke Scheibe von Powershop abschneiden. Glaubt es oder nicht, aber ich bekomme Strom von denen, ohne auch nur zu wissen, wo unser Stromzähler ist. Und es gab nicht einen einzigen Brief. Alles online, alles ganz unkompliziert. Und zwar wirklich, nicht so kleingedrucktes-unkompliziert. Man meldet sich da an und bekommt statt eines langweiligen Vertrages eine total lustige Mail, in der steht, dass man sich keine Sorgen machen soll. "No worries."
Anders als bei uns zahlt man (zumindest bei diesem Anbieter) keine monatliche Pauschale, sondern kauft Stromeinheiten, die je nach Stromart mehr oder weniger je Stück kosten. Hat meine keine Units mehr, ist man mit seinem Kundenkonto im Minus. Das ist aber nicht so schlimm. "No worries." Wenn man nicht selbst Strom shoppen geht, wird dann einfach irgendwann die Summe für die verbrauchte Elektrizität vom Konto abgebucht. Aber das macht natürlich nur halb so viel Spaß, als wenn man sich hinsetzt und aus unzähligen lustigen Strompaketen die raussucht, mit denen man am meisten spart. Es gibt nämlich nicht nur einfachen Strom, sondern auch Sonderangebote wie zum Beispiel "Summer Power" mit besonders günstigen Einheiten, die nur in den hier warmen Sommermonaten Dezember und Januar genutzt werden können. Und: Man erhält eine wöchentliche E-Mail, in der Powershop einem den Verbrauch der letzten sieben Tage anzeigt – sowohl in Units als auch in $. Ein perfekter Anreiz, mal nicht in jedem Zimmer immer Licht anzuhaben. Leider nicht genug Anreiz jedoch, um den wirklichen Stromfresser, den Heater, auszuschalten. Ohne den ist es in Kiwi-Häusern nämlich immer noch ganz schön f***ing cold!
Montag, 29. August 2011
Montag, 22. August 2011
Werbung
Zwei Kampagnen haben in den letzten Wochen meine Aufmerksamkeit erregt – eine, weil sie scheinbar weltweit als völlig absurd und schwachsinnig aufgefallen ist. Warum, zum Teufel, sollten die All Blacks, das neuseeländische Rugby Nationalteam, erfolgreicher sein, wenn die Fans während des World Cups keinen Sex haben? Anders, als einige erboste Radiohörer, die sich in diversen Morning Shows über den moralischen Verfall ihrer Gesellschaft aufregen mussten, denke ich zwar nicht, dass Kinder durch die Kampagne verstört werden können – zumal das Wort Sex nicht einmal genannt wird – dennoch frage ich mich aber, welche Drogen Kunde und Kreativer da genommen haben. Na ja ...
Aus Sicherheitsgründen nicht mal ein Bier getrunken haben dagegen sicher die Jungs und Mädels, die sich diesen wunderbaren Nonsense ausgedacht haben. In der ganzen Stadt hängen City Lights, auf denen erwachsene Menschen dazu aufgerufen werden, beim Treppensteigen das Licht anzumachen und Teppiche festzukleben, um nicht darüber zu stolpern. Jaja ... diese extrem selbstständigen Kiwis ...
Aus Sicherheitsgründen nicht mal ein Bier getrunken haben dagegen sicher die Jungs und Mädels, die sich diesen wunderbaren Nonsense ausgedacht haben. In der ganzen Stadt hängen City Lights, auf denen erwachsene Menschen dazu aufgerufen werden, beim Treppensteigen das Licht anzumachen und Teppiche festzukleben, um nicht darüber zu stolpern. Jaja ... diese extrem selbstständigen Kiwis ...
Montag, 8. August 2011
Gesundheit!
Vier Monate lang konnte ich es aufschieben; irgendwann war dann doch mal Zeit, von meinem mehr als zwei Jahre gültigen Visum Gebrauch zu machen und zum Arzt zu gehen, um mir neuen Diabetes-Kram verschreiben zu lassen. Das ist ein bisschen anders als in Deutschland ... Hier gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung in dem Sinne. Wer zum Arzt geht, zahlt dafür. Man sucht also nicht nur eine Praxis in der Nähe, sondern vergleicht auch Preise. Was ich ziemlich gewöhnungsbedürftig finde – was aber scheinbar auch dazu führt, dass Arztpraxen gut organisiert sind und ihren "Kunden" etwas bieten wollen. Wer 50 Dollar und mehr für eine Viertelstunde (längere Consultations müssen im Voraus gebucht werden) bei Onkel Doktor latzt, will schließlich nicht wochenlang auf einen Termin warten. Und auch nicht stundenlang im Wartezimmer. Soweit also alles prima. Dass Verschreibungen dann noch mal 20 Dollar extra kosten ... bitteschön. Ziemlich bescheuert ist aber, dass man Verschreibungen nicht für alles, was man (in meinem Fall als Pumpenpatient) so braucht, bekommt. Aber immerhin bekommt man den Kram hier überhaupt. Also habe ich mal bei der Herstellerfirma angerufen, um mich zu erkundigen, was das alles so kostet: Noch bevor ich dazu kam, am Telefon meinen Namen zu nennen, wurde ich nach meinen Kreditkarteninformationen gefragt.
Insgesamt ist das alles sehr befremdlich, wenn man aus einem Land kommt, in dem 10 Euro Praxisgebühr dazu führen, dass Menschen lieber gar nicht mehr zum Arzt gehen und Pharmaunternehmen von der Öffentlichkeit geradezu verurteilt werden, wenn sie wie jedes andere Unternehmen lieber Gewinn als Verlust machen.
Insgesamt ist das alles sehr befremdlich, wenn man aus einem Land kommt, in dem 10 Euro Praxisgebühr dazu führen, dass Menschen lieber gar nicht mehr zum Arzt gehen und Pharmaunternehmen von der Öffentlichkeit geradezu verurteilt werden, wenn sie wie jedes andere Unternehmen lieber Gewinn als Verlust machen.
Achtung, folgender Eintrag enthält Buchstaben.
Gleich vorweg: Ich habe nichts gegen die Kiwis. Sie sind sehr aufgeschlossen gegenüber Fremden, hilfsbereit und freundlich. Aber ein bisschen merkwürdig sind sie auch. Als kleines, isoliertes Völkchen mitten im Pazifik halten die Neuseeländer sich für besonders unabhängige und einfallsreiche Überlebenskünstler, die mit jeder Situation klarkommen und sind (zurecht!) stolz wie Oskar, wenn sie sich ihr Boat Shed, ihre Hundehütte oder was auch immer im D.I.Y.-Verfahren ohne fremde Hilfe gebaut haben. Im normalen Alltag hingegen scheint der gemeine Kiwi ein wenig mehr Unterstützung zu brauchen. Ganz am Anfang meines Aufenthalts hier ist mir aufgefallen, dass auf jedem Joghurt-Becher der schöne Hinweis "Contains Milk" zu finden ist. Kopf geschüttelt, Witz darüber gemacht, woraus Joghurt in Kiwi-Land sonst bestehen könnte, Angelegenheit wieder vergessen. Je länger man aber hier ist, über desto mehr solcher merkwürdiger Dinge stolpert man. Das Müsli, das ich gerade esse, soll ich zum Beispiel vorsichtig kauen, wenn ich Zahnschmerzen habe. Und Schritt 1 der "Zubereitungs"anleitung für Backofenpommes ist immer, die Pommes aus der Plastiktüte zu holen. Was eigentlich selbstverständlich ist, wird in Neuseeland lieber noch mal verdeutlicht. Darum gibt es gerade auch eine ganze CLP-Kampagne, die nichts weiter aussagt als "Wenn Du Deine Getränkedose ausgetrunken hast, musst Du sie in den Mülleimer werfen." In Deutschland gibt es vermutlich auch genug Menschen, die genau das nicht tun; um sie mit Plakaten darauf aufmerksam zu machen, wie scheiße das ist, hätte die Werbe-Elite sich aber vermutlich etwas anderes ausgedacht, als das schöne Motiv "Dose wird in Mülleimer geworfen", das weniger ermahnt, als vielmehr erklärt.
Sehr lustig sind auch meine Begegnungen mit Kunden bei Nosh. Wer bei uns einkauft, kann nicht ganz dumm sein, weil er (oder sie) auf jeden Fall pfiffig genug gewesen sein muss, um sich einen guten Job oder einen reichen Ehepartner zu suchen. Dennoch sind Fragen wie "Kann ich die Breakfast-Sausages auch zum Dinner essen?" keine kuriose Seltenheit und leider auch völlig ernst gemeint. Regelmäßig steht jemand mit einer Packung Cracker vor meiner Theke und fragt mich, ob diese mit dem soeben gekauften Käse gegessen werden können. Wenn ich dann antworte, dass das ganz auf den persönlichen Geschmack ankommt, ernte ich nichts als irritierte Blicke und kann sicher sein, dass nach mir noch ein weiterer Mitarbeiter konsultiert wird. Die Cracker könnten schließlich explodieren, wenn man sie mit dem falschen Käse serviert. Das Lustige an der Sache: Diese scheinbar sehr große Unsicherheit führt dazu, dass man vielen Neuseeländern so ziemlich jeden Bären aufbinden kann – zum Beispiel den, dass Gluten dick macht und ungesund ist. Wohin man schaut, sieht man glutenfreie Rezepte und Lebensmittel. Anfangs habe ich mich gefragt, ob es hier besonders viele Zöliakie-Patienten gibt, mit der Zeit aber festgestellt, dass es einfach eine Art medienerzeugter Trend ist, sich glutenfrei zu ernähren, um gesund und schlank zu bleiben. Was natürlich Bullshit ist. Aber nun gut ...
Sehr lustig sind auch meine Begegnungen mit Kunden bei Nosh. Wer bei uns einkauft, kann nicht ganz dumm sein, weil er (oder sie) auf jeden Fall pfiffig genug gewesen sein muss, um sich einen guten Job oder einen reichen Ehepartner zu suchen. Dennoch sind Fragen wie "Kann ich die Breakfast-Sausages auch zum Dinner essen?" keine kuriose Seltenheit und leider auch völlig ernst gemeint. Regelmäßig steht jemand mit einer Packung Cracker vor meiner Theke und fragt mich, ob diese mit dem soeben gekauften Käse gegessen werden können. Wenn ich dann antworte, dass das ganz auf den persönlichen Geschmack ankommt, ernte ich nichts als irritierte Blicke und kann sicher sein, dass nach mir noch ein weiterer Mitarbeiter konsultiert wird. Die Cracker könnten schließlich explodieren, wenn man sie mit dem falschen Käse serviert. Das Lustige an der Sache: Diese scheinbar sehr große Unsicherheit führt dazu, dass man vielen Neuseeländern so ziemlich jeden Bären aufbinden kann – zum Beispiel den, dass Gluten dick macht und ungesund ist. Wohin man schaut, sieht man glutenfreie Rezepte und Lebensmittel. Anfangs habe ich mich gefragt, ob es hier besonders viele Zöliakie-Patienten gibt, mit der Zeit aber festgestellt, dass es einfach eine Art medienerzeugter Trend ist, sich glutenfrei zu ernähren, um gesund und schlank zu bleiben. Was natürlich Bullshit ist. Aber nun gut ...
Sonntag, 31. Juli 2011
Aufgrund zahlreicher Beschwerden ...
... über zu viel Text vs. nicht genug Bilder: Wintersonnenfrühstück auf unseren neuen large and sunny deck. Ich mache das Foto von der Tür zur Küche aus, die Tür im Bild geht ins Wohnzimmer. Links ist dann ein großer Garten mit Bulli, in dem jemand wohnt, der ein bisschen Geld für Miete sparen wollte.
Dienstag, 26. Juli 2011
Bizarr
Hm. Ich bin ja seit gestern stolzes Mitglied der Auckland Libraries. Bücher gibt's bei denen jetzt nicht so richtig viele dolle, dafür aber eine kleine Auswahl an DVDs, die man für nur 2 Dollar in der Woche mit nach Hause nehmen darf. Angesichts der Tatsache, dass unser Fernseher scheinbar kaputt ist, eine nette Angelegenheit. Besonders jetzt im Winter. Da friert man nämlich fest, wenn man versucht, etwas zu unternehmen, was sich nicht mit Decke, Heizer und Wärmflasche kombinieren lässt. Um bei der freundlichen Bibliothekarin nicht als Banause aus Overseas dazustehen, habe ich neben zwei amerikanischen Filmen auch einen neuseeländischen Streifen ausgeliehen. Tja, das mache ich wohl so schnell nicht wieder. Okay, man hätte sich vorher mal die Story durchlesen können, statt gutgläubig davon auszugehen, dass eine "Horror-Komödie" schon irgendwie okay sein wird. Also: In Black Sheep geht es kurz gesagt um Schafe, die aufgrund eines Gen-Experiments zu bösen – sehr bösen – Schafen werden und Menschen brutal zerfleischen. So weit, so schlecht. Noch schlechter: die liebevoll handgebastelten "Effekte", dank derer die ebenso albernen wie zahlreichen "Mensch-wird-gebissen-und-verwandelt-sich-in-böses-Schaf"-Szenen besonders albern daherkommen. Aber am allerschlechtesten: Am Ende kriegt nicht nur der Schafjunge das Ökomädchen, sondern das Ökomädchen überzeugt den Schafjungen auch noch davon, aus der Familien-Farm, von der er wegen eines Kindheitstraumas in die Stadt geflüchtet war, eine Öko-Familien-Farm zu machen. Ist das nicht schön? Selbst bei grausig gemachten Splatter-Movies kann in Kiwi-Land nicht auf eine kleine Keule Moral verzichtet werden. Lammkeule in diesem Fall.
Sonntag, 24. Juli 2011
Kalt und nass, aber groß und nur für uns
Wir sind umgezogen. Aus dem Boarding House mit bis zu zehn Mitbewohnern in ein hübsches halbes Häuschen ganz nah am Wasser. Ohne küchenverwüstende Franzosen, langweilige Gespräche über gardening, knitting oder organic food, dafür aber mit einer Menge Platz für uns und unseren Kram. Und mit zwei für echtes Kiwi-Dasein essentiell wichtigen Dingen: einem large sunny deck (im Sommer) und kalten, feuchten Räumen (im Winter, also jetzt). Neuseeländische Häuser verfügen in aller Regel über keine eingebaute Heizungsanlage. Alte neuseeländische Häuser sind zudem eher undicht. Das führt dazu, dass die ganze Insel in der kalten Jahreszeit, die hier in erster Linie die nasse Jahreszeit ist, losrennt, um sich Heater, Raumluftentfeuchter und dicke Socken zu kaufen. Jetzt machen wir da auch mit. Einen kleinen Heater („Heizi“) hatten wir schon und der elektrische Dehumidifier („Humi“) war uns bereits bei der Wohnungsbesichtung als wichtiges Tool empfohlen worden. Aber: Die beiden reichen bei weitem nicht aus, um Gefriere und feuchtigkeitsbedingten Mief zu vermeiden. Darum sind wir heute auf großer Einkaufstour gewesen und besitzen jetzt zusätzlich eine Wärmflasche, Pantoffeln, zwei Raumluftentfeuchtergranulattöpfe, zwei Raumluftneutralisierer, ein Raumluftneutralisierspray sowie unendlich viel Tee. Zum Glück macht Wein auch ein bisschen warm ...
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